Über Gewaltentrennung bei Lehrpersonen und die Entmonopolisierung der Volksschule

Warum spricht niemand über die Gewaltentrennung bei Lehrpersonen und die Entmonopolisierung der Volksschule?


Wollen zwei grosse Technologiekonzerne fusionieren, ruft das die Wettbewerbskommission auf den Plan, denn wir alle wissen, dass eine Bündelung von Macht an einem Punkt zum Versuch der Machterhalltung führt. Positionen werden ausgenutzt, Konkurrenten durch unfaire Vorteile verdrängt. Der Kunde leidet im Endeffekt.


Ähnlich geht es tausenden Schüler:innen, die neun Jahre ihres Lebens zwangsmässig unsere Volksschule durchlaufen. Sie sind den Launen der Lehrpersonen ausgesetzt und einem aufgedrängten Curriculum, dessen Kompetenzen sie erfüllen müssen und es oftmals nicht tun, weil diese für sie (und ihre Zukunft) nicht wichtig sind. Sie sind unter- oder überfordert und werden an ihren (momentanen) Leistungen beurteilt.


Autodidakt André Stern sagte dazu jüngst:

Gelernt und vergessen wird sozial anerkannt. Nie gelernt aber nicht - dabei unterscheiden sich die beiden Antwortenden nicht: Beide wissen zum heutigen Zeitpunkt nichts über (ein Thema wie z.B.) räumliche Geometrie

Die Beurteilung und Fremdsteuerung führt dazu, dass Lernende immer mehr versuchen, die Erwartungen der Lehrpersonen zu erfüllen, auch wenn sie dies nicht weiterbringt, sie in Ihrer Kompetenzentwicklung auf die eine oder andere Weise stehenbleiben und sich an Ort und Stelle drehen.


Gelernt wird immer eins: Gehorsam, sich anpassen - denn das braucht es ja in unserer Arbeitswelt, oder?


Oder schreien Arbeitgeber heute nicht vielmehr nach: «#KREATIVITÄT! #KRITSCHESDENKEN! #KOLLABORATION! #KOMMUNIKATION!»?!


Diese Kompetenzen werden in fremdgesteuerten Unterrichtssettings aber zumeist unterbunden, denn die Zusammenarbeit ist unerwünscht. Jeder muss doch seine eigenen Leistungen an der Prüfung darlegen.


Fällt jemandem auf, dass Beurteilung eigentlich immer in Einzelsequenzen stattfindet mit einem Sichtschutz zwischen den Kindern?


Wird dabei die Diversität wertgeschätzt und das Teilen von Information hin zu einer gemeinsamen Lösung? #Kollaboration?


Die Problematik liegt in unseren Selektionsmechanismen, welche schon früh Einteilungen in Leistungsstufen begünstigen und (z.B. die begehrten Plätze im Gymnasium) filtern.


Doch die Leistungsgesellschaft ist am Ende. Punkt.


Geprägt durch Jahre der Pandemie, zunehmende Automatisierung und jetzt noch Krieg zeichnet sich eine neue Arbeitswelt und eine neue Gesellschaft ab.


Jobs verschwinden im Eiltempo und was bleibt ist alles, wo der Mensch mit dem Menschen zu tun haben will.


Und wieder: #Kreativität #Kritischesdenken #Kommunikation #Kollaboration


Wir können die Arbeitnehmenden heute gar nicht genug schnell umschulen, dass sie in neue Tätigkeiten hereinfinden: Dies ist das Ende linearer Ausbildungsgänge. Ein Szenario das sich durch die massenhaft verfügbaren Online-Ausbildungen und beispielsweise das Wegfallen der Voraussetzung «Maturität» für einzelne Module an unseren Universitäten (Wie es jüngst der Rektor der Universität Zürich in Aussicht gestellt hatte) bestätigt.


Nur mit Neugier können unsere Kinder diese Umwälzungen meistern, denn das Warten auf die nächste Anweisung wird in diesem Fall zum Verhängnis.


Doch gerade Letzteres wird durch die Bündelung der Lehrer und Bewerter Rolle an unseren Schulen trainiert. Nicht absichtlich, nicht bewusst - aber eindeutig.


Der russische Autor Vladimir Nabokov sagte einst:

"Neugier ist Ungehorsam in seiner pursten Form"

Somit müssten wir also die Lehrerrolle entbündeln. Quasi eine Gewaltentrennung in der Schule schaffen - fern von Beurteilung. Letztere braucht es erst viel Später für reale Leistungen im Leben und Kinder beurteilen diese zumeist ganz von selbst und fragen nach einer Fremdeinschätzung.


Nur dann ist diese zu geben und nicht, wenn sie unerwünscht ist.


Erwachsene pflegen oftmals zu sagen:

«Ein ungefragter Rat ist wie eine Ohrfeige»

Und doch ohrfeigen wir unsere Kinder im Stundentakt. Und wundern uns dann, wenn diese eben Gehorsam werden.


Vielleicht wollen wir den Gehorsam ja?


Wollen wir ihn wirklich?


Und wenn wir ihn nicht mehr wollen, wie sollte Schule dann aussehen?


Vielleicht so wie es Learnlife in Barcelona mit Jugendlichen macht, die Villa Monte in Galgenen mit einer Vielzahl von Kindern, die GD Schule in Bratsch, die Grundacher Schule in Obwalden, das Lernhaus Sole in Mollis und viele, viele mehr, die ich hier aus Zeitmangel nicht alle aufzählen kann... Aber ihr findet sie auf unserer Karte bei www.schulwandel.ch/lernraume (Webseite wird derzeit komplett überarbeitet und in wenigen Wochen neu aufgeschaltet, es wird gross!)


Alle diese Schulen eint, dass sie privat sind. Und gerne wären wir Volksschulen - für alle zugänglich - aber das System hindert uns daran. Denn ein Abweichen von der Norm ist weder erwünscht, noch toleriert.


Deswegen ist es auch so schwierig, eine Privatschule zu gründen: Sie werden meist von einer kaufkräftigen Elite für ihresgleichen geschaffen, denn nur so lässt sich eine Privatschule erhalten - oder durch die unglaubliche intrinsische Motivation Ihrer Gründer:innen, die sich selber hineininvestieren und Menschen finden, die es ihnen gleich tun und die Schule tragen. Und selbst dann bleibt sie vielen Familien verschlossen. Ist das nicht unfair? Sollten nicht alle von der Innovation profitieren können, die sich in ihrer Ganzheit nur in diesem Rahmen zeigen kann, weil Schulgesetzte von Privatschulen nur sinngemäss eingehalten werden müssen und so ein viel, viel grösserer Spielraum besteht?


Monopole haben diese Eigenschaft. Das muss man beim Namen nennen, auch wenn man damit riskiert, kritisiert zu werden.


Kritisches Denken bringt Kritik mit sich. Das muss man aushalten können.


Kevin Kelly, der Gründer des Wired Magazine sagte einmal:

«Es ist das Wesen von Innovationen, dass sie in den Randbereichen entstehen, von wo aus sie sich weit genug verbreiten und ihren Nutzen beweisen können, ohne sich von der Trägheit des orthodoxen Systems verdrängen zu lassen.»

So ist das mit der Innovation, und Innovation wollen wir ja, oder?


Also lasst uns die Randbereiche stärken. Lasst uns Monopole entmonopolisieren: Wir planen dazu einen Memorialsantrag für die Glarner Landsgemeinde, um die freie Wahl der passenden Schule zu ermöglichen.


Wir wollen niemanden daran hindern, seine Werte zu entfalten, sondern wertschätzen die #Vielfalt - Das braucht es nun, im Kern.


Willst du uns dabei unterstützen?


Dann schreib dich ein auf www.lernhaussole.ch und oder spende für unsere Schulwandel Stiftung, welche zum Ziel hat, die Randbereiche zu stärken und den Wissenstransfer in die Volksschule zu ermöglichen.

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